Freitag, 9. November 2007

Haiku von Gerd Börner(4)

(Original)
Gräser welken schon.
Im Tau hängt noch der Morgen,
die Welt kopfüber



(japanische Fassung)
草はもう枯れた
こぼれそうな露の中にはまだ朝が
世界は真っさかさま


■Nach langer Zeit ist das ein interessantes haiku. Ich stelle mir vor, einen von einem Gras überlaufenden Tau. Gewiss gibt es der Morgen und die Welt im Tau.

Kommentare:

haiku-shelf hat gesagt…

da ist Herbst (Gräser welken schon), die Zeit des Vergehens und mehr - "die Welt kopfüber" hört sich für mich verspielt an und Spiel gehört zum Kindsein, zur Jugend, zum Offensein für neue Perspektiven

ein Haiku, das ich schon lange kenne, aber das mir nie langweilig wurde

Winter moon hat gesagt…

Vielen Dank für Ihre interessanten Kommentare.

Das Verspielt, das zum Offensein gehört! Ich halte Ihre Interpretation für sehr schön.

Übrigens ist "Gräser welken schon" Herbst? Lustig hört " Welke Gräser" sich für mich der frühe Winter an.

Ein Haiku ist ja interessant, aber das Haiku kann langweilig sein. Es ist einem japanischen Haiku gemeinsam. Ich würde glauben, Kritig ist wichtig.

Wintermoon

ideedition hat gesagt…

Lieber winter moon,
ich fühle mich geehrt, das sich Sie sich meiner Texte annehmen. Eigentlich sollten Haiku nicht zerredet werden. Aber manchmal ist es schon hilfreich, die Gedanken oder das Unausgesprochene des Autors zu kennen, um leichter die andere Ebene, die in dem Text stecken kann zu erfahren:
Die Gräser welken schon bedeutet Spätsommer oder Frühherbst bei uns.
Morgens hängen noch die Tautropfen an den Grashalmen. Und in diesem Tautropfen spiegel sich bei genauer Beobachtung und nach optischen Gesetzen die kleine Welt vor dem Tautropfen seitenverkehrt und auf dem Kopf. "Die Welt steht Kopf" heißt so viel wie Chaos und Unfriede - nicht zu letzt auch vor dem Bild der Vergänglichkeit usw.

Winter moon hat gesagt…

Herzlich willkommen ideedition!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre gefälligen Erklärungen.

Wintermoon

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